E10, Super Plus oder Zusätze? Der große Kraftstoff-Check für deinen Klassiker
„Früher war alles einfacher – auch an der Zapfsäule.“ Diesen Satz hört man oft auf Oldtimer-Treffen. Heute stehen wir vor einem Dschungel aus Bio-Anteilen, Oktan-Zahlen und bunten Zusatz-Fläschchen. Doch was braucht dein Oldie wirklich? Wir räumen mit dem gefährlichen Halbwissen auf.
Die E10-Frage: Gift oder unbedenklich für Oldtimer?
Die größte Sorge vieler Besitzer: Zerfrisst das Ethanol im E10 meine Leitungen?Die größte Sorge vieler Besitzer: Zerfrisst das Ethanol im E10 meine Leitungen?
Die Fakten: Ethanol wirkt hygroskopisch (zieht Wasser an) und kann unter Umständen bestimmte Gummi-Mischungen in alten Schläuchen oder Pumpenmembranen angreifen. Auch Aluminiumbauteile in Vergasern können bei langer Standzeit korrodieren. Link zu DAT
Der aktuelle Stand: Der ADAC und Experten bestätigen, dass viele Klassiker E10 technisch vertragen könnten, aber das Risiko bei langen Standzeiten (die bei Oldtimern normal sind) steigt. Link zum ADAC
Unsere Empfehlung: Bleib bei Super E5 oder besser Super Plus. Wer ganz sichergehen will, tankt Premium-Kraftstoffe wie Aral Ultimate 102. Warum? Weil diesen laut Hersteller kein Bio-Ethanol zugesetzt wird. Das schont Dichtungen und verhindert Korrosion im Tank.
Bleiersatz im Oldtimerm-Motor: Braucht man das heute noch?
Blei diente früher als „Dämpfer“ für die Ventilsitze. Ohne Blei droht theoretisch erhöhter Verschleiß. Link zum Artikel.
Wer braucht es wirklich? Nur Motoren mit ungehärteten Ventilsitzen (meist Fahrzeuge bis Baujahr Mitte der 70er). Viele Motoren (z.B. VW ab ca. 1976 oder viele italienische Motoren mit Alu-Köpfen) sind bereits „bleifrei-tauglich“.
Mythos-Check: Es gibt den sogenannten „Memory-Effekt“. Motoren, die jahrelang mit verbleitem Sprit liefen, haben oft genug Blei-Ablagerungen an den Ventilen, um tausende Kilometer bleifrei zu überstehen.
Unser Rat: Schau in die Werksvorgaben. Wenn du unsicher bist: Ein Fläschchen Bleiersatz schadet nicht, sollte aber präzise dosiert werden – zu viel davon sorgt für hässliche Ablagerungen an den Zündkerzen.





Der Clou: Den Oldtimer richtig einwintern
Wenn dein Schätzchen länger als 3 Monate steht, wird der Sprit zum Problem. Er altert, oxidiert und verliert an Zündwilligkeit.
Dein Guide für die Standzeit: Link zum Artikel
Volltanken: Besonders bei Blechtanks ist ein voller Tank Pflicht, um Kondenswasser (und damit Rost) zu verhindern.
Benzinstabilisator (z.B. Bactofin): Diese Zusätze verhindern das „Umkippen“ des Sprits und das Verharzen im Vergaser. Link zur Erklärung
Die „letzte Fahrt“: Schütte den Stabilisator direkt an der Tankstelle rein, tanke voll und fahre dann noch ca. 10 km. So verteilt sich das Additiv im kompletten System bis in jede Düse.
Premium-Sprit für die Pause: Tanke vor dem Winter bewusst 102-Oktan-Sprit. Er ist am stabilsten und enthält kein Ethanol, das über den Winter Wasser anziehen könnte.
Fazit: Dein Oldtimer ist keine Mimose, aber er mag Beständigkeit. Guter Sprit (E5 oder Super Plus) und ein kleiner Schluck Stabilisator vor der Winterpause sparen dir im Frühling den Ärger mit verklebten Vergasern und Startschwierigkeiten.
Noch tiefer ins Thema eintauchen?
ADAC Guide: Richtig einwintern
Prüfe hier die E10-Freigabe für dein Modell: DAT E10-Liste